Inventarisierung des Nachlasses von Richard Hamann

Ein Projekt der Universitätsbibliothek Marburg und Sichtwechsel - Agentur für Kunst und Kulturgeschichte, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
 
Ruth Heftrig und Bernd Reifenberg (Hg.): Wissenschaft zwischen Ost und West. Der Kunsthistoriker Richard Hamann als Grenzgänger, Marburg, Jonas Verlag, 2009.
 
(Beiträge der Abschlusstagung, die am 13. und 14.06.2008 in der Universitätsbibliothek Marburg stattfand.)

 

 

 
Gegenstand des Projekts war der wissenschaftliche Nachlass des Kunsthistorikers Richard Hamann (1879-1961). Der in der Universitätsbibliothek Marburg aufbewahrte Bestand stellt einen bedeutenden wissenschaftshistorischen Quellenpool der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Ziel des Projekts war es, die sachgerechte Aufbewahrung des Materials sicherzustellen, den Bestand archivarisch zu erschließen und ihn einer breiten Forschungsöffentlichkeit zugänglich zu machen.
 
Hamanns ungewöhnlich lange Karriere (1902 Promotion, 1958 Emeritierung) gewinnt zusätzlich dadurch an Bedeutung, dass sie sich über fünf staatliche Systeme hinweg fortsetzte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm Hamann 1947 neben einer Professur in Marburg zunächst eine Gastprofessur und dann eine Lehrstuhlvertretung an der Berliner Universität (ab 1948 Humboldt-Universität zu Berlin), von der er gegen seinen Willen „entpflichtet“ wurde. Er blieb bis zu seinem Tod 1961 weiterhin als Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin Leiter der dortigen Arbeitsstelle für Kunstgeschichte. Eine Vielzahl von Dokumenten des Nachlasses beleuchtet die ungewöhnliche Doppelfunktion des Kunsthistorikers, der sich privat und öffentlich als Bewahrer der geistigen deutschen Einheit zu profilieren versuchte.
 
Durch die Erschließung und die Bereitstellung der Findmittel im Internet wurde eine Basis für Forschungen zur deutsch-deutschen Wissenschaftsgeschichte, auch über die Kunstgeschichte hinaus, geschaffen.
 
Den Abschluss des Projekts bildete eine zweitägige wissenschaftliche Tagung zum Wirken Richard Hamanns in beiden deutschen Staaten nach 1945. Die Tagung hat Hamanns Rolle als „pendelnden“ Wissenschaftler nach 1945 analysiert und in den zeithistorischen Zusammenhang eingeordnet. Dabei wurden folgende Schwerpunkte thematisiert: Wissenschaftler zwischen Ost und West, Politik des Staatssekretariats für Hochschulwesen, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Nationalpreis der DDR, die Verbindungen zwischen Richard Hamann und Ludwig Justi oder Jost Hermand, Entlassung Hamanns 1957 und Neubesetzung des Lehrstuhls der HU Berlin.
 

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